Welzheim - ein Kastellort am obergermanischen Limes

Der Bau des Limes erstreckte sich von zirka 150 bis ca. 210 nach Christus. Im Endausbau bestand der obergermanische Limes aus Palisade, Graben, Wall, Patrouillenweg und Steintürmen. Am Limes entlang waren in über 60 größeren Kastellen mit einer Anzahl Kleinkastellen Hilfstruppen stationiert.

Welzheim war ein Standort am über 550 km langen Limes in Deutschland. Dabei waren gleich 3 Kastell in Welzheim zu finden:

»Westkastell«, Reiterlager

Truppe:Ala I Scubulorum, 500 Mann starke Reitereinheit, zuvor in Bad Cannstatt stationiert.

Kommandeur: Praefectus alae (Angehöriger des römischen Ritterstandes; ranghöchster Militär am südlichen Obergermanischen Limes).

Aufgaben: Überregionale Sicherung des gesamten Limesabschnitts im südlichen Obergermanien; mobile Eingreiftruppe bei der Verfolgung und Bekämpfung eingefallener Germanengruppen; möglicherweise Einsatz bei Kämpfen im Limesvorfeld.

Bestehenszeit:160/165 bis 233 (?) n. Chr.; evtl. kleine Restbesatzung bis um 260 n. Chr.

Kenntnisstand/ Ausgrabungen: Bislang in Ausschnitten erforscht: 1895/96 Sondagen der Reichs-Limeskommission; 1954 Baustellenbeobachtung;
1980er/1990er Jahre kleinere, 2005/2006 größere Archäologische Ausgrabungen.

Grundrissform: Rechteckig, Größe ca. 4,3 ha.

Umwehrung: Bis zu drei Spitzgräben und eine steinerne Wehrmauer mit vier Toren und mehreren Zwischentürmen.

Bekannte Innenbebauung: Zentrales Stabsgebäude, Reiterbaracken, Magazin?

Besonderheiten: Depotfund mit vier Metallobjekten; großflächiges Brandereignis.

Heutiger Zustand: Weitgehend überbaut; rekonstruierter Abschnitt von Umwehrungsmauer und Graben gegenüber vom Bahnhof seit 2012.

Ostkastell, Numeruskastell

Truppe: Aufgaben:300 bis 400 Mann starke gemischte Besatzung aus einem numerus Brittonum L(inensium?) sowie exploratores; überwiegend Infanterie, ein kleiner Anteil Kavallerie.

Kommandeur: Praepositus im Rang eines Centurio (Hauptmann), abkommandiert von der 8. Legion aus Straßburg.

Aufgaben; Sicherung des Limesabschnitts und Stellen der Wachtturmbesatzungen bei Welzheim; Aufklärung des Limesvorfeldes.

Bestehenszeit: 160/165 bis um 220 n. Chr.

Kenntnisstand/ Ausgrabungen: Bislang in Ausschnitten erforscht: 1894/97 Sondagen der Reichs-Limeskommission; 1976/77/81 Archäologische
Ausgrabungen entlang der südlichen und westlichen Umwehrung; 1992/93 und 2012 geophysikalische Prospektion.

Grundrissform: Fast quadratisch, Größe 1,6 ha.

Umwehrung: Bis zu drei Spitzgräben und eine steinerne Wehrmauer mit vier Toren und wenigen Zwischentürmen.

Bekannte Innenbebauung: Zentrales Stabsgebäude aus Kombination von überwiegend Holzfachwerkbau und Steinbauweise, ebenso das Wohnhausdes Kommandeurs, Bade- und Speichergebäude aus Stein, Mannschaftsbaracken in Holzbauweise, mehrere Holzbrunnen.

Besonderheiten: Drei Brunnen mit umfangreicher Feuchtbodenerhaltung, darunter Reste von mehr als 148 Lederschuhen, viele Holzgegenstände und Pflanzenreste; Hinweise auf ein größeres Brandereignis; Inschriftenstein.

Heutiger Zustand:
Freilichtmuseum mit Nachbau des Westtores und Teilen der Umwehrung, Graben, angedeutete Grundrisse von Bade- und Speichergebäude durch Bodenplatten; Nachbau von Brunnen 2.

Kleinkastell Rötelsee

Truppe: Bis 20 Fußsoldaten.

Kommandeur: Evtl. ein principalis (eine Art Unteroffizier).

Aufgaben: Kommandoposten eines Limesabschnitts, möglicherweise Sicherung eines Durchgangs.

Bestehenszeit: 160/165 bis 233 (?) n. Chr.

Kenntnisstand/ Ausgrabungen:1896 teilweise Freilegung durch die Reichs-Limeskommission; 1974 flächige Ausgrabung im Zuge der Flurbereinigung.

Grundrissform: Annähernd quadratisch, Größe 324 m2.

Umwehrung: Ein Spitzgraben und eine steinerne Wehrmauer; Zugang mit Torturm

Bekannte Innenbebauung: U-förmige Holzbaracke um einen gepflasterten Innenhof.

Heutiger Zustand: Freilichtmuseum mit Graben, rekonstruierten Grundmauern und durch Bodenplatten angedeutetem Grundriss der Baracke.

Textkomposition: Dr. Marcus Meyer